Dokumentarfilm "Fluss" von Timo Großpietsch Eine dokumentarische Reise entlang der Elbe, von ihrer Quelle im nebelverhangenen Riesengebirge bis zur breiten Mündung in die Nordsee, erzählt in Bildern und Musik. Was macht der Fluss mit den Menschen, was machen Menschen mit diesem Fluss? Nachdem Regisseur Timo Großpietsch im Film "Stadt" urbane Räume erforschte und in "Land" den Blick auf unsere Nahrungsmittelproduktion und Landschaft richtete, erkundet er im dritten Teil seiner Trilogie den geschichtsträchtigen Raum, den ein Fluss wie die Elbe eröffnet. Keine Reise vorbei an Sehenswürdigkeiten, keine Romantik unberührter Natur. Der Film zeigt Arbeitswelten, die auf das Wasser der Elbe angewiesen sind, den Steinbruch bei Lohmen, wo der Sandstein für die Dresdner Frauenkirche gebrochen wurde, das Stahlwerk Riesa, den gigantischen Wasserkreuzweg bei Magdeburg. Der Mensch zwingt dem Fluss seine Lebensbedingungen auf, er greift ein, baut, lenkt, schützt und gefährdet. Und doch bleibt der Fluss eine Urgewalt, die sich nicht gänzlich zähmen lässt, woran die dramatischen Bilder der überschwemmten Dresdner Innenstadt erinnern. Der "Mythos Buchenwald" und die DDR Mit ihrem Buch "Landschaft ohne Zeugen" richtet die Autorin Ines Geipel den Blick auf einen der bedeutendsten Erinnerungsorte Deutschlands: Das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. Ausgehend von akribischer Recherche im Stasi-Unterlagen-Archiv fragt sie noch einmal, wie aus dem Lager ein zentraler Gründungsmythos der DDR wurde - und welche Widersprüche dabei aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwanden. Geipel schreibt über Machtstrukturen innerhalb des Lagers, über kommunistische Funktionshäftlinge, über Gewalt, Todesspritzen und politische Konflikte unter den Häftlingen. Zugleich erzählt sie von der Ambivalenz dieser Figuren: Von Menschen, selbst Opfer des nationalsozialistischen Terrors, die unter extremen Bedingungen des Lagers handelten und dabei Teil eines Systems wurden, das andere Opfer hervorbrachte. Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeiten wie Walter Bartel oder Bruno Apitz. An ihren Biografien zeigt Geipel die Tragik einer Generation kommunistischer Überlebender, die nach 1945 ebenfalls mundtot gemacht wurden und einer gelenkten Erinnerungspolitik untergeordnet wurden. Die komplexe Geschichte des Lagers wurde hinter einem politischen Mythos nahezu ausgelöscht - die tatsächliche Ambivalenz von Tätern und Opfern der wirklichen Geschehnisse blieb für viele bis an deren Lebensende unausgesprochen. Für "artour" spricht Ines Geipel über ihre Recherchen, über verdrängte Konflikte und warum die Beschäftigung mit der Materie nach wie vor hoch aktuell ist. Der Historiker Volkhard Knigge, langjähriger Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, hat selbst zu dieser Geschichte immer wieder umfassend geforscht und beschreibt, wie schwierig es bis heute ist, die Komplexität von Geschichte jenseits von einfachen Täter-Opfer-Mythen in das allgemeine Verständnis zu bringen. Spielfilm "Ich verstehe ihren Unmut" macht im Alltag unsichtbare Menschen sichtbar Heike muss nur noch fünf Jahre durchhalten, dann bekommt sie ihre Grundrente. Als Objektleiterin einer Reinigungsfirma kämpft sie sich von Tag zu Tag, vermittelt zwischen unzufriedenen Kunden, der Firmenleitung und den Reinigungskräften, die im Niedriglohnsektor ausgebeutet werden. "Ich verstehe ihren Unmut" ist das Spielfilmdebüt von Regisseur Kilian Armando Friedrich und macht den Druck spürbar, unter dem Menschen wie Heike stehen. Ein ambivalentes Porträt einer Frau, der die Empathie für ihre Mitmenschen abhandenkommt, weil sie selbst am Abgrund steht. Gedreht mit Laiendarstellern, wirkt der Film fast wie eine Dokumentation und wie ein Kommentar zu Friedrich Merz' Äußerungen über die angeblich mangelnde Arbeitsmoral der Deutschen. Er zeigt eine Arbeitswelt, die unsere Gesellschaft trägt und doch meist unsichtbar bleibt. Eine besondere Entdeckung ist Hauptdarstellerin Sabine Thalau: Sie arbeitet selbst in der Reinigungsbranche und stand für den Film zum ersten Mal vor der Kamera. Der Film lief im Panorama der diesjährigen Berlinale und kommt am 4. Juni in die Kinos. Michail Sygar "Die Zukunft, die nie kam" über das Ende der Sowjetunion In seinem neuen Buch "Die Zukunft, die nie kam" hat der russische Journalist und Buchautor Michail Sygar auf 800 Seiten ein Zeitlupen-Protokoll des Zusammenbruchs der Sowjetunion verfasst. Er sprach mit über 300 Zeitzeugen - mit Gorbatschow, hohen KGB-Leuten, Künstlern, Stalinisten, Reformern und ganz normalen Bürgern. Kulturkalender * Theater der Welt - Festival in Chemnitz vom 18. Juni - 5. Juli * Feine Herrschaft - Jonathan Meese & Neo Rauch - Ausstellung in der Grafikstiftung Neo Rauch in Aschersleben bis zum 25. April 2027 * "Die Abenteuer des Prinzen Achmed", Stummfilm mit Live-Musik, gespielt von der Staatskapelle Weimar, 11. Juni DNT Weimar